Open Data erreicht den Energie-Markt

Der staatliche Betreiber des dänischen Strom- und Gasnetzes Energinet wird als erster seine Netzdaten zentral und öffentlich zugänglich machen. Die neue Open-Data-Plattform Energy Data Service wurde von Viderum entwicklet und basiert auf dem Daten-Management-System CKAN.

Netzbetreiber verfügen über gewaltige Datensätze und nutzbares Wissen: die importierten und produzierten Strommengen, der damit verbundene CO2-Ausstoß, Preise und Handelsvolumen der Märkte, der Verbrauch der Haushalte und Unternehmen oder die eingespeisten Mengen alternativer Energieträger; kurz, über alle gesamtwirtschaftlichen Daten des Energiemarktes eines Landes.

Die von uns individuell für Energinet entwickelte Plattform wandelt die komplexen Datenstrukturen in verständliche und anschauliche Informationen um.

Für die Nutzer bedeutet der neue Service: Jeder kann die Informationen individuell, nach den für ihn relevanten Daten durchsuchen und sie gleichermaßen über die Benutzeroberfläche als auch über eine bereitgestellte API herunterladen. So lassen sich die Daten leicht in andere Anwendungen (Apps) und Dienste einspielen und nutzen.

»Wenn offene Daten einer Gesellschaft wirklich zu Gute kommen sollen, dürfen sie nicht nur leicht herunterzuladen sein. Vielmehr müssen sie so bereitgestellt werden, dass eine mühelose Integration in neue Produkte und Dienste möglich ist, die unser tägliches Leben intelligenter gestalten und die Zukunft unserer Energie-Infrastruktur entwickeln können.« Peder Ø. Andreasen, CEO von Energinet.

Ein entscheidender Aspekt sind dabei die positiven Impulse beim Übergang zu erneuerbaren Energien. Zum einen sollen die offenen Daten neue Akteure, Produkte und Dienstleistungen unterstützen, und eine bessere Basis für die notwendigen Entscheidungen liefern, um die grüne Transformation voranzubringen. Zum anderen erfordern alternative Energiesysteme eine hohe Flexibilität bei Produktion und Konsum - auch hier soll der Energy Data Service Impulse setzen. Denn eine hundertprozentige Versorgungssicherheit lässt sich mit alternativer Energie kaum erreichen und ist bei flexibler Nutzung des Stroms auch nicht notwendig.

Ein Portal für mündige Bürger

Und hier kommt der mündige Bürger ins Spiel. Von ihm erhofft sich Energinet, dass er mit Hilfe der offenen Daten die Energie effizienter nutzt und seine persönliche CO2-Bilanz, seinen sogenannten »Footprint«, verbessern wird. Und er soll über den Preis lernen, dass es sich lohnt Strom zu verbrauchen, wenn er im Überfluss vorhanden ist und zu sparen, wenn er knapp ist. Auch hierfür sind innovative, digitale Anwendungen die Grundlage.

Wirtschaftliche Impulse auch für andere Bereiche

»Bisher war der viel diskutierte Mehrwert offener Daten eher theoretisch,« sagt Sebastian Moleski, Geschäftsführer von Viderum, »mit dem Energy Data Service haben wir nun einen konkreten Anwendungsfall, der zeigt, welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen offene Daten tatsächlich haben können.«

Denn offene Daten dürfen zudem als kostenneutrale Wirtschaftsförderung verstanden werden, da sie einen enormen Schub an wirtschaftlichen Impulsen und Innovationen freisetzen. Allein die Europäische Kommission sieht hier ein Potenzial im Wert von 140 Mrd. Euro pro Jahr. Es wird erwartet, dass offene Energiedaten, kombiniert mit Daten aus dem Bau- oder Transportgewerbe, ebenso zu Innovation und Wachstum in diesen Sektoren führen können.

Dementsprechend ist das Interesse an den Energie-Daten groß und kommt nicht nur von den bestehenden Marktteilnehmern. Alle von Energinet gewonnenen Daten werden zukünftig gebündelt und Bürgern, Forschern und Unternehmern kostenfrei und maschinenlesbar zur Verfügung gestellt. Die Start-Version des Energy Data Service wird neben Daten des gesamtwirtschaftlichen Verbrauchs und der Produktion, vornehmlich Informationen zu CO2-Ausstoß und zu den Strompreisen enthalten und fortlaufend erweitert.

Der dänische Energieminister Lars Chr. Lilleholt eröffnet die neue Plattform offiziell am 17. Juni 2017 im Rahmen des Demokratiefestes »Folkemødet« auf der Insel Bornholm.